Wir kennen das alle: Am Anfang unserer Beziehung kann der Partner gar nichts falsch machen, wir sehen ihn durch eine rosa Brille. Mit der Zeit lässt diese (zugegebenermaßen sehr schöne) Wahrnehmungsverzerrung nach und wir gewinnen einen realistischeren Blick auf uns. Wenn Paare sich jedoch dauerhaft destruktiv streiten, entsteht eine Wahrnehmungsverzerrung in die gegengesetzte Richtung. Beide Partner erwarten die Erfüllung ihrer Bedürfnisse vom anderen, übersehen jedoch, dass sie dies mit ihrem eigenen Verhalten quasi unmöglich machen. Aus der Bedürftigkeit heraus ist keine Empathie möglich. Es entsteht ein Widerstand, sich um den als unempathisch wahrgenommenen Partner zu bemühen. So fühlen sich beide Seiten zunehmend als Opfer, eine Art Konkurrenz entsteht. Die Wahrnehmung des Partners wird immer negativer, es entsteht eine destruktive Dauerschleife, eine Patt-Situation in der das Paar gefangen ist. Beide sehen sich durch eine Art graue Brille, die Fronten verhärten zunehmend, irgendwann geht nichts mehr. Verletzungen häufen sich an, Gefühle verringern sich, die Beziehung nimmt Schaden.

Die Lösung? Auf die Ressourcen konzentrieren. An das erinnern, was gut läuft und was man am Partner schätzt. Jeden Tag, jede Kleinigkeit zählt. Wenn wieder regelmäßig positive Gedanken aufkommen, kann sich die verzerrte Wahrnehmung Schritt für Schritt auflösen. Mit einem realistischeren und wohlwollenderen Blick auf den Partner wird Empathie wieder möglich. Opfer- und Konkurrenzdenken lassen nach, das Klima wird friedlicher, Gefühle erholen sich. Ohne den verzerrten Blick durch die graue Brille erscheint der Partner wieder liebenswert und eine konstruktive Auseinandersetzung mit Konflikten wird wieder möglich.

In einem Beitrag von ze.tt (Zeit Online) wird der Paartherapeut David Wilchfort zum Thema Streit in Paarbeziehungen interviewt.

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