News aus Psychologie und Psychotherapie

Die englischsprachige Webseite "Wait but why?" ist eine Fundgrube für unglückliche Singles und alle, die sich eine/n Partner/in wünschen, sich aber noch schwer tun den/die Richtige/n zu finden. Es gibt viele kluge Erklärungen und Tipps für das unerfreuliche Warten auf den/die Richtige/n und Strategien, wie sich die Partnerwahl in Zukunft erfolgreich gestalten lässt.

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Menschen wissen oft nicht genau, was sie von einer Beziehung wollen.

Studien haben gezeigt, dass Menschen im Allgemeinen schlecht darin sind, zu benennen, wo ihre tatsächlichen Beziehungspräferenen liegen. Eine Studie ergab zum Beispiel, dass sich Teilnehmer/innen eines Speed-Datings, die nach ihren bevorzugten Partnertypen befragt wurden, etwas anderes angaben, als sie später tatsächlich bevorzugten. D.h. wir denken, wir wüssten was oder wen wir wollen, aber tatsächlich wählen wir jemand ganz anderen.

Woran liegt das?

Nun, da wäre einmal die Gesellschaft. Die Gesellschaft tut uns mit ihren Normen oft keinen Gefallen und gibt uns darüber hinaus schlechte Ratschläge.

→ Die Gesellschaft ermutigt uns, naiv zu bleiben und uns von Romantik leiten zu lassen.
→ Die Gesellschaft stigmatisiert eine intelligente Suche nach potenziellen Partnern.
→ Die Gesellschaft hetzt uns und macht uns zeitlichen Druck.

Und dann ist da noch die Biologie. Unsere Biologie tut uns auch keinen Gefallen.

→ Die Chemie in unserem Gehirn.

Wenn wir jemanden sehen und ein bisschen aufgeregt sind, geht unsere Biologie in den „Okay, lass uns das machen“ -Modus über und bombardiert uns mit Chemikalien, die uns dazu bringen sollen, uns zu paaren (Lust), uns zu verlieben (die Flitterwochenphase) und auf lange Sicht zusammen zu bleiben (Bindung). Unser Gehirn kann diesen Prozess in der Regel außer Kraft setzen, wenn wir einfach nicht auf jemanden stehen, aber in all den Fällen, in denen der richtige Schritt eher darin besteht, weiterzusuchen und etwas Besseres zu finden, erliegen wir doch der chemischen Achterbahn und landen am Ende vor dem Traualtar.

→ Biologische Uhren sind gemein.

Für eine Frau, die biologische Kinder mit ihrem Ehemann haben möchte, gibt es ein echtes Problem. Nämlich die Notwendigkeit, den richtigen Lebenspartner bis spätestens vierzig zu finden, koste es was es wolle. Falls der richtige Partner aber noch nicht gefunden ist oder es mit dem derzeitigen Partner nicht klappt (aus welchen Gründen auch immer) oder sie gerade mit dem Falschen zusammen ist, steht sie vor einer schweren Wahl: a) Das Risiko eingehen, keine Kinder zu bekommen b) Kinder mit dem richtigen Lebenspartner adoptieren (oder ganz verzichten) c) leibliche Kinder mit dem falschen Partner großziehen.

Eine Flut von großen Entscheidungen aus schlechten Gründen und eine Menge Leute, die die wichtigste Entscheidung ihres Lebens vermasseln. Werfen wir einen Blick auf einige der häufigsten Typen, die Opfer all dessen werden und in unglückliche Beziehungen geraten:

Der überromantische Ronald

der überromantische Ronald

Der überromantische Ronald glaubt, dass Liebe allein Grund genug ist, jemanden zu heiraten. Romantik kann ein großer Teil einer Beziehung sein, und Liebe ist eine Schlüsselzutat für eine glückliche Ehe, aber ohne ein paar andere wichtige Dinge ist es einfach nicht genug.

Die angstgetriebene Frida

die angstgetriebene Frieda
Angst ist einer der schlechtesten Berater bei der Auswahl des richtigen Lebenspartners. Unglücklicherweise infiziert die Art und Weise, wie die Gesellschaft aufgebaut ist viele Ängste. Die Arten von Angst, die unsere Gesellschaft (und unsere Eltern und Freunde) uns beibringen - Angst zurückzubleiben, Angst alt zu werden, manchmal Angst verurteilt zu werden - sind die Ängste, die uns dazu veranlassen, uns mit einer unbefriedigenden Partnerschaft zufriedenzugeben. Die Ironie ist, dass die einzige vernünftige Angst, die wir empfinden sollten, die Angst ist, die letzten zwei Drittel des Lebens unglücklich mit der falschen Person zu verbringen - das genaue Schicksal, das die angstgetriebenen Menschen riskieren, weil sie versuchen, kein Risiko einzugehen.

Der äußerlich beeinflusste Ed

der äußerlich beeinflusste Ed
Der von außen beeinflusste Ed lässt andere Menschen eine viel zu große Rolle bei der Entscheidung des Lebenspartners spielen. Die Wahl eines Lebenspartners ist zutiefst persönlich, enorm kompliziert, für jeden anders und von außen kaum zu verstehen, egal wie gut Sie jemanden kennen. Daher haben die Meinungen und Vorlieben anderer Menschen dabei wirklich nichts zu suchen, es sei denn, es handelt sich um einen Extremfall, bei dem es um Misshandlung oder Missbrauch geht.

Die oberlächliche Sharon

die oberflächliche Sharon
Die oberflächliche Sharon befasst sich mehr mit der "Beschreibung ihres Lebenspartners auf dem Papier" als mit der inneren Persönlichkeit darunter. Es gibt eine Reihe von Checklisten-Punkten, die sie überprüft - Dinge wie seine Größe, sein Ansehen im Beruf, sein Reichtum, seine Erfolge oder vielleicht ein Novum wie Ausländer zu sein oder ein bestimmtes Talent zu haben. Jeder hat bestimmte Checklisten-Punkte, die er überprüft weil sie ihm wichtig sind, aber je stärker egozentrisch eine Person ist, desto mehr konzentriert sie sich auf die äußere Erscheinungen und den Status des Partners, damit sie sich durch ihn aufgewertet fühlen kann.

Der egoistischer Stanley

der egoistische Stanley
Der Egoismus kommt in drei, sich manchmal überlappenden Varianten:

1) Der Typ "Mein Weg oder kein Weg"

Diese Person kann nicht mit Verzicht oder Kompromissen umgehen. Sie glaubt, dass ihre Bedürfnisse, Wünsche und Meinungen einfach wichtiger sind, als die des Partners, und sie will sich bei großen Entscheidung immer durchsetzen. So eine Person strebt eigentlich nicht nach einer gleichberechtigten Partnerschaft, sie will ihr Leben unverändert beibehalten und jemanden haben, der ihr zu Diensten ist.

2) Der Mittelpunkt-Typ

Der tragische Fehler des Mittelpunkt-Typs ist, dass er von sich selbst absorbiert wird. Er möchte einen Lebenspartner, der sowohl sein Therapeut als auch sein größter Bewunderer ist, der jedoch nichts im Gegenzug erwartet. Jede Nacht werden die Erlebnisse des Alltags im Detail besprochen, aber 90% der Diskussionen drehen sich um seinen Tag - schließlich ist er der Hauptcharakter der Beziehung. Das Problem für ihn ist, dass er, weil er nicht in der Lage ist, sich von seiner persönlichen Welt loszureißen, lediglich einen Kumpel als Lebenspartner hat, was zu einer ziemlich langweiligen Zukunft führt.

3) Der bedürftige Typ

Jeder hat Bedürfnisse, und jeder möchte, dass diese Bedürfnisse erfüllt werden, aber Probleme entstehen, wenn die Bedürfnisserfüllung - sie kocht für mich, er wird ein großartiger Vater, sie wird eine großartige Frau, er ist reich, sie hält mich organisiert, er ist großartig im Bett - zum Hauptgrund wird, jemanden als Lebenspartner zu wählen. Diese aufgelisteten Dinge sind alle großartige Vorteile, aber das ist alles, was sie sind - Vorteile. Und nach einem Jahr der Ehe, wenn die bedürfnisorientierte Person es mittlerweile gewohnt ist, dass ihre Bedürfnisse erfüllt werden, und es nicht mehr aufregend ist, wird es ganz schnell furchtbar langweilig.

 

Also wie kann es dann funktionieren?

Um 20.000 Tage mit einem anderen Menschen aushalten zu können und dies glücklicherweise zu tun, sind drei Hauptzutaten erforderlich:

a) eine epische Freundschaft
b) ein Gefühl von Zuhause (d.h. Vertrauen und Sicherheit, einfach ein gutes Grundgefühl)
c) die Entschlossenheit, eine gute Beziehung zu führen (d.h. fair kommunizieren und handeln, eine konstruktive Streitkultur pflegen)

 

Noch viel mehr weitere Infos und Artikel gibt es auf der Webseite. Hier geht´s zum Artikel von "Wait but why"...


 

 

Kennen Sie das auch? Eigentlich wollen Sie, dass sich etwas ändert. Aber irgendwie sind Sie (noch) nicht bereit, das Nötige dafür zu tun? Oder Sie können sich nicht wirklich vorstellen, dass eine Veränderung gelingen kann? Oder Sie wünschen sich einfach, dass jemand anderes sich verändert? Oder, oder, oder...

Jeder kennt das. Dennoch blockieren wir uns mit unseren "Ja, abers" selbst und stehen der gewünschten Veränderung im Weg. "Ja, aber..." ist ein Spiel, dass niemand gewinnen kann. 

Hier ein Fallbeispiel...


 

 

Auf www.in-mind.org findet sich ein sehr gut recherchierter Artikel von Jane Hergert zu der Frage, inwieweit sich untreues Verhalten im Erwachsenenalter durch den individuellen Bindungsstil erklären lässt. D.h. inwieweit erklären die Erfahrungen mit den engsten Bezugspersonen in der Kindheit, das Beziehungsverhalten im Erwachsenenalter? Die Autoren erklärt zunächst die wichtigsten Inhalte der psychologischen Bindungstheorie und leitet dann Antworten auf die oben genannten Fragen her. Prädikat lesenswert!

 

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Magen und Darm des Menschen enthalten etwa 200 Millionen Nervenzellen. Praktisch ein zweites Nervensystem - das offenbar intensiv kommuniziert. Forschern gelingt es immer besser den Dialog zwischen Bauch und Kopf zu entziffern. Es gibt u. a. Hinweise auf Zusammenhänge zwischen der Darmgesundheit und der Entstehung von psychischen Erkrankungen wie Depressionen oder Ängsten. Eine hochinteressante Dokumentation hierzu von ARTE auf YouTube:

 

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